Kunstschwarm
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Am frühen Nachmittag, bei schönem Wetter, setzt man auf den Brutraum eines sehr starken Volkes einen neuen Zargenaufsatz mit Mittelwänden auf und deckt diesen mit einem Innendeckel oder dem umgedrehten Außendeckel ab, leicht versetzt, um eine Belüftung und den Abzug des Rauchs nach oben zu ermöglichen. Anschließend wird während etwa einer Minute kräftig durch das Flugloch geräuchert, bis der Rauch an der Öffnung am Rand des Deckels austritt.
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Die Kolonie beginnt hörbar zu brausen; man wartet nochmals eine Minute und klopft dann mit dem Stockmeißel oder einem Stab kräftig von unten nach oben gegen beide Zargen. Die Bienen beginnen, in die obere Zarge aufzusteigen. Man wechselt einige Klopfstöße mit Rauchstößen ab. In weniger als fünf Minuten sind alle Bienen zusammen mit der Königin in die obere Zarge aufgestiegen.
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Den Deckel korrekt ausrichten, die obere Zarge auf einen Boden stellen und das Ganze an einen schattigen Platz im Bienenstand verbringen; vorsichtig arbeiten, da die Traube bei der geringsten Erschütterung zu Boden fallen kann. Das Muttervolk mit Innendeckel und Deckel wieder verschließen. Die Flugbienen kehren zur nun weisellosen Ausgangskolonie zurück, versorgen die Brut und ziehen eine Weiselzelle zur Aufzucht einer neuen Königin nach.
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Um sicherzustellen, dass sich die Königin tatsächlich in der neuen Kolonie befindet, wird der Deckel nach einer halben Stunde abgenommen. Bleiben die Bienen ruhig sitzen, ist die Königin anwesend; fliegen sie massenhaft davon, ist der Vorgang fehlgeschlagen – die Völker wieder vereinigen und an einem anderen Tag erneut versuchen. Ist die Königin in der neuen Kolonie, wird diese geschlossene Beute für zwei Nächte in den Keller gestellt und anschließend an ihrem neuen Standort im Bienenstand aufgestellt. Alle Bienen bleiben dort und kehren nicht an den alten Standort zurück. Auf die Anzahl der besetzten Waben einengen (5–6) und füttern, da vollgesogene Bienen die Waben schneller ausbauen. Die Anzahl der ausgebauten Waben entsprechend der Entwicklung des Volkes schrittweise erhöhen (≈ 2 Waben/Woche).
Dieses Verfahren ist sehr zuverlässig zur Sanierung von Völkern; das alte Volk erhält eine neue Königin, das neue, an Ammenbienen reiche Volk kann bauen und anschließend einen Honigraum anlegen. Dieser sollte mit ausgebauten Waben aufgesetzt werden, sobald der Brutraum deutlich besetzt ist. Falls erforderlich, die Eiablage durch regelmäßige kleine Gaben von 50-%-Zuckersirup stimulieren (2 dl, 3×/Woche).
Bei guter Beherrschung ermöglicht diese Methode eine sehr wirksame Schwarmkontrolle. Mit schwachen Völkern funktioniert sie nicht. Nutzen Sie die Gelegenheit, den Kunstschwarm vor der Verdeckelung der Brut mit Oxalsäure zu behandeln.


